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Rohstoff-Kooperation trotz Zolldrohung: Was die Gleichzeitigkeit von Mineralien-Allianz und Handelseskalation für die Industrie bedeutet

Die EU und die USA vertiefen ihre Partnerschaft bei kritischen Mineralien mit einem konkreten Aktionsplan - zeitgleich droht Präsident Trump mit 25 Prozent Autozöllen. Für die deutsche Industrie verschärft sich damit ein ohnehin angespanntes Umfeld: Der ifo-Unsicherheitsindikator erreicht mit 87,7 Prozent in der Industrie den höchsten Stand seit zwei Jahren.

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Rohstoff-Kooperation trotz Zolldrohung: Was die Gleichzeitigkeit von Mineralien-Allianz und Handelseskalation für die Industrie bedeutetSiegfried Poepperl / Unsplash

Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen senden derzeit widersprüchliche Signale. Am selben Wochenende, an dem die EU-Kommission und das US-Handelsministerium den EU-US Critical Minerals Action Plan konkretisierten, drohte Präsident Trump mit einer Erhöhung der Autozölle auf 25 Prozent und stellte das Turnberry-Abkommen vom Sommer 2025 offen infrage. Für die deutsche Industrie entsteht damit ein schwer kalkulierbares Spannungsfeld - verschärft durch die geopolitische Krise im Iran und die höchste Planungsunsicherheit seit zwei Jahren.

Aktionsplan konkretisiert Rohstoff-Allianz

Die EU und die USA haben am 4. Mai 2026 das bereits im April unterzeichnete Memorandum of Understanding (MoU) zu kritischen Mineralien um einen gemeinsamen Aktionsplan ergänzt. 1EU and US launch strategic partnership on critical minerals Dieser soll als operativer Rahmen dienen, um Handelspolitiken bei strategischen Rohstoffen zu koordinieren. Im Raum stehen grenzüberschreitende Preisuntergrenzen für westliche Bergbauprojekte, die Abstimmung strategischer Reserven und das langfristige Ziel eines verbindlichen plurilateralen Abkommens - möglicherweise unter Einschluss von Japan, Australien und Kanada. 2Critical Minerals Price Floors: US-EU strategy and 2026 outlook

Laut Branchenbeobachtern umfasst die Vereinbarung Seltene Erden, Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan, Graphit, Gallium und Germanium - Rohstoffe, ohne die weder Batteriezellen noch Halbleiter noch Verteidigungssysteme gefertigt werden können. 1EU and US launch strategic partnership on critical minerals

Die Dringlichkeit unterstreichen aktuelle Zahlen: Bei Seltenen Erden entfielen 2025 laut Eurostat 46,8 Prozent der EU-Importe auf China, 25,9 Prozent auf Russland und 23,1 Prozent auf Malaysia. Bei Lanthanverbindungen lag der chinesische Anteil bei 97,3 Prozent. 3EU und USA: Neue Partnerschaft für kritische Mineralien - Weichenstellung für Europas Industrie (Industrieblatt, 27.04.2026) Peking verschärft zudem seit April 2025 seine Exportkontrollen systematisch - mit Endverbleibserklärungen und Lizenzpflichten.

Turnberry wackelt: 25 Prozent auf Autos

Zeitgleich eskaliert der klassische Handelskonflikt. Präsident Trump kündigte am 2. Mai an, die Einfuhrzölle auf Autos und Lkw aus der EU auf 25 Prozent zu erhöhen - mit der Begründung, die EU halte sich nicht an das Turnberry-Abkommen. 4EU reagiert diplomatisch, aber deutlich auf Trumps Zolldrohung Wogegen genau Brüssel verstoßen haben soll, ließ Trump offen.

Das Abkommen von Turnberry sah maximal 15 Prozent Zoll auf die meisten EU-Exporte vor. Im Gegenzug hatte die EU Energiekäufe für 750 Milliarden Dollar und Investitionen von 600 Milliarden Dollar in den USA zugesagt. Das Null-Zoll-Paket für US-Einfuhren nach Europa liegt derzeit im Europäischen Parlament, wo Abgeordnete Befristungen und eine Ausstiegsklausel fordern - ein normaler legislativer Prozess, den Washington offenbar als Vertragsverletzung deutet. 4EU reagiert diplomatisch, aber deutlich auf Trumps Zolldrohung

Der Handelsausschuss-Vorsitzende Bernd Lange verwies darauf, dass die USA ihrerseits bereits gegen den Deal verstoßen hätten - mit Zusatzzöllen auf über 400 Produkte wegen ihres Stahl- und Aluminiumanteils. 4EU reagiert diplomatisch, aber deutlich auf Trumps Zolldrohung Die EU hat eine Liste mit Gegenzöllen vorbereitet und könnte erstmals das Antizwangsmaßnahmen-Instrument aktivieren.

Unsicherheit auf Rekordhoch - Iran-Krieg als Verstärker

Für die deutsche Industrie trifft die handelspolitische Volatilität auf ein ohnehin fragiles Umfeld. Laut der aktuellen ifo-Konjunkturumfrage fiel es im März 2026 insgesamt 78,6 Prozent der Unternehmen schwer oder eher schwer, ihre zukünftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen - der höchste Wert seit Februar 2024. 578,6% durch Iran-Krieg verunsichert (ifo Konjunkturumfrage)

Besonders betroffen ist die Industrie. Dort liegt der Anteil der Unternehmen mit Planungsschwierigkeiten bei 87,7 Prozent. In der Chemiebranche sind es rund 95 Prozent, bei Gummi- und Kunststoffherstellern 93,9 Prozent. 578,6% durch Iran-Krieg verunsichert (ifo Konjunkturumfrage) "Der Krieg im Iran hat die Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft spürbar erhöht", konstatierte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. 578,6% durch Iran-Krieg verunsichert (ifo Konjunkturumfrage)

Die Verbindung zur Rohstoffthematik ist direkt: Die Sperrung der Straße von Hormus seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar 2026 hat die Energiekosten massiv verteuert und Lieferketten unter Druck gesetzt - insbesondere in energieintensiven Sektoren. 6Iran-Krieg treibt Rohstoffpreise in die Höhe und belastet Lieferketten Der gleichzeitige Ausbau chinesischer Exportkontrollen bei kritischen Mineralien potenziert den Effekt.

Was das für die deutsche Industrie bedeutet

Die Gleichzeitigkeit von Rohstoff-Kooperation und Handelseskalation ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck einer fragmentierten Welthandelsordnung. Bei kritischen Mineralien - wo China Monopole kontrolliert - überwiegen die gemeinsamen strategischen Interessen von Washington und Brüssel. Beim Warenhandel - wo die USA ein Handelsdefizit abbauen wollen - dominiert der Verteilungskonflikt.

Für Einkäufer und Produktionsplaner ergeben sich daraus unterschiedliche Zeithorizonte. Die Mineralien-Allianz ist eine mittel- bis langfristige Weichenstellung. Über 170 Projektanträge unter dem EU Critical Raw Materials Act (Verordnung 2024/1252) wurden bislang eingereicht, doch der Aufbau neuer Förder- und Verarbeitungskapazitäten erfordert fünf bis zehn Jahre Vorlaufzeit. 3EU und USA: Neue Partnerschaft für kritische Mineralien - Weichenstellung für Europas Industrie (Industrieblatt, 27.04.2026) Die Autozölle hingegen könnten binnen Tagen wirksam werden und unmittelbar auf Margen und Absatzplanungen durchschlagen.

Ausblick: Pragmatismus unter Druck

Die kommende Woche dürfte wegweisend werden. Der Handelsausschuss des Europäischen Parlaments will über das weitere Vorgehen bei den Autozöllen beraten. Gleichzeitig läuft die Frist, in der Washington Fakten schaffen könnte. Die EU hält sich, in den Worten der Kommission, "Optionen offen, um die europäischen Interessen zu schützen". 4EU reagiert diplomatisch, aber deutlich auf Trumps Zolldrohung

Für die rohstoffabhängige deutsche Industrie bleibt die Lage paradox: Die strategisch wichtigste transatlantische Initiative der vergangenen Jahre - die Mineralien-Allianz - entsteht ausgerechnet in einer Phase, in der das Fundament der Handelsbeziehungen bröckelt. Ob die Kooperation bei Rohstoffen robust genug ist, um die Eskalation beim Warenhandel zu überstehen, wird sich erst zeigen. Was sich nicht ändern wird: die strukturelle Abhängigkeit, die beide Seiten zu pragmatischen Lösungen zwingt - zumindest dort, wo es um gemeinsame strategische Interessen geht.


Bild: Siegfried Poepperl / Unsplash

Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.

Quellen

  1. EU and US launch strategic partnership on critical minerals
  2. Critical Minerals Price Floors: US-EU strategy and 2026 outlook
  3. EU und USA: Neue Partnerschaft für kritische Mineralien - Weichenstellung für Europas Industrie (Industrieblatt, 27.04.2026)
  4. EU reagiert diplomatisch, aber deutlich auf Trumps Zolldrohung
  5. 78,6% durch Iran-Krieg verunsichert (ifo Konjunkturumfrage)
  6. Iran-Krieg treibt Rohstoffpreise in die Höhe und belastet Lieferketten

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Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Unten sehen Sie den vollständigen Recherche- und Denkprozess.