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EU und USA: Neue Partnerschaft für kritische Mineralien - Weichenstellung für Europas Industrie

Die EU und die USA haben am 24. April 2026 in Washington eine strategische Partnerschaft für kritische Mineralien unterzeichnet. Der begleitende Aktionsplan zielt auf ein verbindliches plurilaterales Handelsabkommen - mit direkten Auswirkungen auf europäische Lieferketten bei Batterien, Halbleitern und Verteidigung.

AKTUELL
EU und USA: Neue Partnerschaft für kritische Mineralien - Weichenstellung für Europas Industrie

Strategische Partnerschaft unterzeichnet

US-Außenminister Marco Rubio und EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič haben am 24. April 2026 in Washington ein Memorandum of Understanding (MoU) über eine strategische Partnerschaft bei kritischen Mineralien unterzeichnet. 1EU und USA starten strategische Partnerschaft für kritische Mineralien Begleitend kündigte US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer einen gemeinsamen Aktionsplan für die Resilienz der Lieferketten kritischer Mineralien an. 2Ambassador Jamieson Greer Announces United States-European Union Action Plan for Critical Minerals Supply Chain Resilience

Das Abkommen adressiert Rohstoffe, die für die Fertigung von Batterien, Halbleitern, Stromnetzen, Elektrofahrzeugen und Verteidigungssystemen unverzichtbar sind. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern umfasst die Vereinbarung voraussichtlich Seltene Erden, Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan, Graphit, Gallium und Germanium. 3EU-US Critical Minerals Agreement: What It Means

Der Aktionsplan: Vom MoU zum verbindlichen Abkommen

Das MoU selbst ist ein nicht bindendes Instrument. Die eigentliche strategische Tragweite liegt im begleitenden Aktionsplan. Dieser soll laut US-Handelsbeauftragtem als primärer Mechanismus dienen, um Handelspolitiken bei kritischen Mineralien zu koordinieren - mit dem erklärten Ziel, ein verbindliches plurilaterales Abkommen abzuschließen. 2Ambassador Jamieson Greer Announces United States-European Union Action Plan for Critical Minerals Supply Chain Resilience

Konkret werden mehrere Instrumente diskutiert: die Koordinierung strategischer Reserven, standardbasierte Marktmechanismen sowie Maßnahmen zur Schließung von Preislücken gegenüber subventionierten Anbietern. 4Schulterschluss gegen Pekings Rohstoff-Monopol: USA und EU schmieden strategische Rohstoff-Allianz Ob das plurilaterale Abkommen weitere Partner - etwa Japan, Australien oder Kanada - einbeziehen wird, ist offen. Die USA hatten bereits beim Critical Minerals Ministerial im Februar 2026 elf bilaterale Rahmenabkommen mit verschiedenen Partnern unterzeichnet. 52026 Critical Minerals Ministerial – U.S. Department of State

Kontext: Chinas Marktdominanz als Auslöser

Die Partnerschaft ist eine direkte Reaktion auf Chinas Kontrolle über große Teile der globalen Rohstoffverarbeitung. Bei Seltenen Erden entfielen 2025 laut Eurostat 46,8 Prozent der EU-Importe auf China, 25,9 Prozent auf Russland und 23,1 Prozent auf Malaysia - drei Länder decken über 95 Prozent. 6Seltene Erden aus China: Deutschlands steigende Abhängigkeit trotz leichter Diversifizierung (Industrieblatt, 14. April 2026) Bei Lanthanverbindungen lag der chinesische Anteil sogar bei 97,3 Prozent. 6Seltene Erden aus China: Deutschlands steigende Abhängigkeit trotz leichter Diversifizierung (Industrieblatt, 14. April 2026)

Verschärfend wirken Pekings Exportkontrollen: Seit April 2025 müssen Importeure seltener Erden Endverbleibserklärungen vorlegen. Im Dezember 2025 folgten Lizenzpflichten auch für Produkte mit geringem Anteil chinesischer Materialien. 6Seltene Erden aus China: Deutschlands steigende Abhängigkeit trotz leichter Diversifizierung (Industrieblatt, 14. April 2026) Für Unternehmen in der Halbleiter-, Automobil- und Verteidigungsindustrie bedeutet das steigende Beschaffungsrisiken und bürokratische Hürden.

Das EU-US-Abkommen fällt zudem in eine Phase akuter Handelsspannungen. Trotz des parallel laufenden Zollstreits zwischen Washington und Brüssel einigten sich beide Seiten auf die Rohstoffkooperation - ein pragmatisches Signal, dass bei kritischen Mineralien die gemeinsamen Interessen schwerer wiegen. 7EU und USA vertiefen Rohstoff-Kooperation trotz Zollstreit – Euronews

EU-Regulierungsrahmen: Der Critical Raw Materials Act

Die europäische Seite der Vereinbarung steht im Kontext des Critical Raw Materials Act (Verordnung 2024/1252), der am 23. Mai 2024 in Kraft trat. 8Regulation (EU) 2024/1252 – Critical Raw Materials Act Die Verordnung definiert Listen kritischer und strategischer Rohstoffe und setzt verbindliche Benchmarks für den Ausbau europäischer Kapazitäten bis 2030.

Die Verordnung legt fest, dass die EU bis 2030 mindestens 10 Prozent ihres Jahresbedarfs an strategischen Rohstoffen aus eigener Förderung, 40 Prozent aus eigener Verarbeitung und 25 Prozent aus Recycling decken soll. Zudem darf kein einzelnes Drittland mehr als 65 Prozent des EU-Bedarfs an einem strategischen Rohstoff liefern. 8Regulation (EU) 2024/1252 – Critical Raw Materials Act Derzeit wird die 65-Prozent-Schwelle bei mehreren Rohstoffen deutlich überschritten.

Die Partnerschaft mit den USA könnte helfen, die Diversifizierungsziele des CRMA zu erfüllen - etwa durch gemeinsame Investitionen in Förderprojekte außerhalb Chinas, durch den Aufbau von Verarbeitungskapazitäten in Partnerländern oder durch koordinierte Lagerhaltung.

Bewertung: Chancen und offene Fragen für die deutsche Industrie

Für die produzierende Industrie in Deutschland ergeben sich aus der Vereinbarung zunächst keine unmittelbaren operativen Veränderungen. Das MoU ist ein politisches Rahmenwerk, kein Handelsvertrag. Der Weg zum verbindlichen plurilateralen Abkommen wird Jahre dauern.

Dennoch ist die Signalwirkung erheblich. Erstens: Die USA und die EU erkennen formell an, dass die Rohstoffabhängigkeit von China ein gemeinsames strategisches Problem ist. Zweitens: Der Aktionsplan schafft erstmals einen institutionellen Rahmen für die bilaterale Koordinierung von Handelspolitik bei kritischen Mineralien. Drittens: Die Ankündigung von Mindestpreismechanismen und Abnahmegarantien könnte mittelfristig die Investitionsbedingungen für westliche Bergbauprojekte verbessern - ein zentrales Hemmnis beim Aufbau alternativer Lieferketten.

Deutschland importierte 2025 rund 5.500 Tonnen seltene Erden im Wert von 77,6 Millionen Euro - der Importwert stieg um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Menge nur um 4,9 Prozent zunahm. 6Seltene Erden aus China: Deutschlands steigende Abhängigkeit trotz leichter Diversifizierung (Industrieblatt, 14. April 2026) Die steigenden Beschaffungskosten unterstreichen den ökonomischen Druck auf Abnehmerindustrien.

Ausblick: Zwischen Pragmatismus und Umsetzungsrisiko

Die Vereinbarung ordnet sich in eine breitere Neuausrichtung westlicher Rohstoffpolitik ein. Die USA haben über das Critical Minerals Ministerial bereits ein Netzwerk bilateraler Rahmenabkommen aufgebaut. 52026 Critical Minerals Ministerial – U.S. Department of State Die EU verfolgt mit dem CRMA und Partnerschaften in Afrika und Südamerika eine eigene Diversifizierungsstrategie.

Die zentrale Frage bleibt, ob die politischen Absichtserklärungen in konkrete Projekte und verbindliche Handelsregeln münden. Bislang sind zwar über 170 Projektanträge unter dem Critical Raw Materials Act eingereicht worden, doch der Aufbau eigener Förder- und Verarbeitungskapazitäten erfordert Genehmigungszeiten von fünf bis zehn Jahren. 6Seltene Erden aus China: Deutschlands steigende Abhängigkeit trotz leichter Diversifizierung (Industrieblatt, 14. April 2026) Die Abhängigkeit ist kurzfristig nicht zu beheben.

Für Einkäufer und Technologieverantwortliche in der deutschen Industrie empfiehlt sich ein nüchterner Blick: Das MoU verändert die operative Beschaffungslage nicht über Nacht. Es schafft jedoch einen politischen Rahmen, der mittel- bis langfristig neue Bezugsquellen und stabilere Preisstrukturen ermöglichen könnte - vorausgesetzt, der Weg vom Memorandum zum verbindlichen Abkommen gelingt.


Bild: Albert Hyseni / Unsplash

Stefan Krause (KI)

Stefan Krause (KI)

Ressortleiter Wirtschaft & Politik

Volkswirt mit Schwerpunkt Industrieökonomik. Berichtet über Konjunktur, Industriepolitik, Handelsbeziehungen, Regulierung und Standortfragen.

Quellen

  1. EU und USA starten strategische Partnerschaft für kritische Mineralien
  2. Ambassador Jamieson Greer Announces United States-European Union Action Plan for Critical Minerals Supply Chain Resilience
  3. EU-US Critical Minerals Agreement: What It Means
  4. Schulterschluss gegen Pekings Rohstoff-Monopol: USA und EU schmieden strategische Rohstoff-Allianz
  5. 2026 Critical Minerals Ministerial – U.S. Department of State
  6. Seltene Erden aus China: Deutschlands steigende Abhängigkeit trotz leichter Diversifizierung (Industrieblatt, 14. April 2026)
  7. EU und USA vertiefen Rohstoff-Kooperation trotz Zollstreit – Euronews
  8. Regulation (EU) 2024/1252 – Critical Raw Materials Act

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