Solarthermiepark Lübeck: Kommunale Wärmewende in Zahlen
Die Stadtwerke Lübeck haben den größten Solarthermiepark Schleswig-Holsteins im Stadtteil Moisling vorgestellt. Die Anlage umfasst 788 Kollektoren mit einer Gesamtfläche von 12.500 Quadratmetern und einer thermischen Spitzenleistung von 8 Megawatt. 1Stadtwerke Lübeck: Solarthermiepark Lübeck erzeugt CO2-neutrale Wärme Der jährliche Wärmeertrag wird mit bis zu 3,7 Gigawattstunden beziffert - genug, um rechnerisch rund 350 Wohneinheiten zu versorgen. Im bestehenden Moislinger Fernwärmenetz deckt die Solarthermie damit 11,7 Prozent des Wärmebedarfs. 1Stadtwerke Lübeck: Solarthermiepark Lübeck erzeugt CO2-neutrale Wärme
Herzstück des Systems ist ein 3.000-Kubikmeter-Wärmespeicher, der die tagsüber gewonnene Energie auch nachts verfügbar macht. Gegenüber einer gasbasierten Wärmeversorgung spart die Anlage jährlich rund 800 Tonnen CO₂ ein. 1Stadtwerke Lübeck: Solarthermiepark Lübeck erzeugt CO2-neutrale Wärme Die Investitionssumme liegt laut Medienberichten bei rund zehn Millionen Euro. 2Lübecker Nachrichten: Schleswig-Holsteins größte Solarthermieanlage steht in Lübeck-Moisling
Stadtwerke-CEO Dr. Jens Meier ordnet das Projekt als Baustein einer langfristigen Strategie ein: Solarthermie vergrüne die Fernwärme "gezielt und dauerhaft" und reduziere die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. 1Stadtwerke Lübeck: Solarthermiepark Lübeck erzeugt CO2-neutrale Wärme Schleswig-Holsteins Energiewende- und Klimaschutzgesetz schreibt vor, dass die Wärmeversorgung bis spätestens 2040 vollständig klimaneutral erfolgen soll.
Einordnung: Solarthermie in Deutschland
Der Lübecker Park ist kein Einzelfall, aber auch kein Massenphänomen. Der Zubau großer Solarthermie-Anlagen in der Fernwärme lag in Deutschland 2024 bei lediglich knapp 7 Megawatt thermischer Leistung. 3Solites / Solarthermie-Jahrbuch: Solarthermie in der Fernwärme – 2024 kaum Zuwachs Das Forschungsinstitut Solites prognostiziert eine Verdopplung der installierten Gesamtleistung bis 2026 - doch selbst diese Geschwindigkeit wird von Fachleuten als unzureichend für die Wärmewende bewertet. Deutlich größere Dimensionen hat das Leipziger Projekt, das mit 13.200 Kollektoren als Deutschlands größte Solarthermieanlage in Planung ist. 4Leipzig: Deutschlands größte Solarthermieanlage mit 13.200 Kollektoren
Der Bundesverband Solarwirtschaft beziffert die Wärmegestehungskosten großer Solarthermieanlagen auf 3 bis 5 Cent pro Kilowattstunde - ein Wert, der im aktuellen Energiepreisumfeld wettbewerbsfähig ist. 5Bundesverband Solarwirtschaft: Solarthermie – Große Anlagen Für kommunale Versorger, die unter der steigenden nationalen CO₂-Bepreisung stehen, wird das Verhältnis fossiler zu solarer Wärmeerzeugung zunehmend zugunsten letzterer verschoben.
Lubmin: Wasserstoff-Hub im Gigawatt-Maßstab
Parallel zur kommunalen Wärmewende nimmt eines der ambitioniertesten Wasserstoffprojekte Deutschlands neue Konturen an. Die PtX Development GmbH und der Finanzpartner KGAL haben die Mehrheit am grünen Wasserstoffprojekt von Lhyfe in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) übernommen. 6PtX Development GmbH: PtX Development und KGAL übernehmen Mehrheit an Lhyfe-Projekt in Lubmin Mit dem Zukauf wächst die gemeinsame Entwicklungsplattform um über zehn Hektar. Die potenzielle Elektrolysekapazität steigt auf bis zu 1,7 Gigawatt, die mögliche Jahresproduktion auf bis zu 160.000 Tonnen Wasserstoff. 6PtX Development GmbH: PtX Development und KGAL übernehmen Mehrheit an Lhyfe-Projekt in Lubmin
Lubmin vereint mehrere standortspezifische Vorteile: direkten Zugang zu Offshore-Windenergie, vorhandene Umspannwerke und Trassen, Wasserverfügbarkeit sowie die unmittelbare Nähe zum geplanten Startpunkt des deutschen Wasserstoffkernnetzes. Neben PtX, KGAL und Lhyfe ist die GP JOULE Gruppe als weiterer Partner am Standort beteiligt, der als integrierter Energieversorger langjährige Erfahrung bei erneuerbaren Energien und Infrastrukturprojekten mitbringt. 6PtX Development GmbH: PtX Development und KGAL übernehmen Mehrheit an Lhyfe-Projekt in Lubmin
PtX-CEO Dr. Alan Cadmus betonte, das Projekt schaffe die Grundlage für die Dekarbonisierung der Stahl- und Chemieindustrie. Thomas Engelmann von KGAL bezeichnete Lubmin als "Eckpfeilerprojekt für die deutsche Wasserstoffwirtschaft". 6PtX Development GmbH: PtX Development und KGAL übernehmen Mehrheit an Lhyfe-Projekt in Lubmin Lubmin ist einer von aktuell vier Entwicklungsstandorten am ehemaligen Kernkraftwerksgelände. H2APEX plant dort als weiterer Akteur eine Elektrolysekapazität von 600 MW mit einer Jahresproduktion von 60.000 Tonnen grünem Wasserstoff. 7H2APEX: Hydrogenhub Lubmin – Deutschlands wichtigster Wasserstoff-Standort
Zwei Projekte, ein gemeinsamer Nenner
Auf den ersten Blick haben ein kommunaler Solarthermiepark und ein Gigawatt-Wasserstoffprojekt wenig gemeinsam. Doch beide Vorhaben adressieren denselben strukturellen Treiber: die wachsende Notwendigkeit, fossile Energieträger durch erneuerbare Alternativen zu ersetzen - unter steigendem regulatorischen Druck. Der nationale CO₂-Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne in 2026 und der bevorstehende Übergang zum freien Handel ab 2027 erhöhen die wirtschaftliche Attraktivität beider Technologien.
Solarthermie bietet für die kommunale Wärmeversorgung eine bereits heute wirtschaftliche, technisch erprobte Lösung - mit überschaubaren Investitionen und schneller Umsetzbarkeit. Grüner Wasserstoff hingegen zielt auf die Sektoren, die sich nicht direkt elektrifizieren lassen: Stahl, Chemie, Raffinerie. Hier sind die Volumina und Investitionssummen ungleich größer, die Realisierungshorizonte länger.
Ausblick: Tempo und Infrastruktur als Engpass
Die Herausforderungen beider Pfade liegen weniger in der Technologie als in der Skalierung. Das deutsche Wasserstoffkernnetz soll bis 2032 rund 9.000 Kilometer umfassen und etwa 19 Milliarden Euro kosten. 8KfW / Bundesnetzagentur: Wasserstoff-Kernnetz – Zukunftsinvestition für Deutschland Ohne dieses Netz bleibt selbst eine Gigawatt-Produktion in Lubmin ein Inselprojekt ohne industrielle Abnehmer in Süddeutschland. Bei der Solarthermie bremsen Flächenverfügbarkeit, kommunale Planungsprozesse und die Finanzierungsbereitschaft der Versorger den Ausbau.
Beide Projekte zeigen: Die technischen Lösungen für die Dekarbonisierung existieren. Die offene Frage bleibt, ob Genehmigungsverfahren, Infrastrukturausbau und Investitionsrahmen mit dem Tempo der klimapolitischen Vorgaben mithalten können.
Bild: Federico Beccari / Unsplash

