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Batteriefertigung: Drei neue Patente zeigen den Stand der Füge- und Elektrodentechnik

Drei im April 2026 veröffentlichte Patente adressieren zentrale Herausforderungen der Batteriezellfertigung: präziseres Schweißen von Stromableitern, eine neuartige Niet-Sonotroden-Verbindung und kameragestütztes Elektroden-Notching. Die Verfahren spiegeln den steigenden Automatisierungsdruck in der Elektromobilitäts-Wertschöpfungskette wider.

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Batteriefertigung: Drei neue Patente zeigen den Stand der Füge- und Elektrodentechnik

Drei Patente, ein Fokus: Prozesssicherheit in der Zellfertigung

Die Batteriefertigung für Elektrofahrzeuge steht unter doppeltem Druck: Stückzahlen steigen, gleichzeitig werden die Qualitätsanforderungen an jede einzelne Zellverbindung strenger. Drei im April 2026 veröffentlichte Patente adressieren genau dieses Spannungsfeld - mit konkreten Lösungen für das Schweißen von Stromableitern, die Zellmontage und die Elektrodenkonfektion.

Stromableiter-Schweißen mit Ausrichtungsmaske

Das internationale Patent WO2026/079740 beschreibt eine Schweißvorrichtung für die Verbindung von Stromableiterplatten mit Elektrodenwickeln (Jelly Rolls). Das System arbeitet mit einer Schweißmaske, die über einen integrierten Ausrichtungsstift die exakte Positionierung der Stromableiterplatte auf dem Elektrodenwickel sicherstellt. 1Current Collector Plate Welding Device for Battery, and Current Collector Plate Welding Method Using Same (WO2026/079740) Ein separater Stromableiter-Träger nimmt die Platte auf und fixiert sie während des Schweißvorgangs.

Der Ansatz zielt auf ein bekanntes Problem der Großserienfertigung: Selbst geringe Positionsabweichungen zwischen Ableiter und Wickel führen zu inhomogenen Schweißnähten, die den elektrischen Widerstand erhöhen und im schlimmsten Fall die Zellsicherheit gefährden. Die mechanische Zwangspositionierung über den Ausrichtungsstift reduziert diesen Fehlervektor.

Nietverbindung mit Ultraschall-Sonotrode

Das zweite Patent WO2026/079847 geht einen anderen Weg bei der Zellmontage. Es beschreibt eine Batteriezelle, bei der die Schweißverbindung zwischen Stromableiter und Niet dadurch hergestellt wird, dass eine Ultraschall-Sonotrode von außen durch eine Nut im Niet eingeführt wird. 2Battery Cell, Battery Pack, Vehicle Comprising Same, and Method for Manufacturing Battery Cell (WO2026/079847) Dieses Verfahren ermöglicht den Zugang zur Fügestelle von der Außenseite des Niets - ein konstruktiver Vorteil, wenn der Bauraum innerhalb der Zelle begrenzt ist.

Ultraschallschweißen gilt in der Batteriefertigung als bevorzugtes Fügeverfahren für Zell-Tabs und Stromableiter, da es als Festkörper-Verfahren ohne Aufschmelzen arbeitet und damit thermische Schädigungen an empfindlichen Separatoren und Elektrodenmaterialien minimiert. 3Recent trends in battery manufacturing: a joining perspective – Ultrasonic Welding als Fügeverfahren Die patentierte Niet-Geometrie mit externer Zugänglichkeit könnte die Integration in automatisierte Montagelinien erleichtern, da der Schweißkopf nicht in den Zellinnenraum geführt werden muss.

Elektroden-Notching: Kameragestütztes Splicen

Das US-Patent US2026/0106132 adressiert einen vorgelagerten Fertigungsschritt: das Notching, also das Ausstanzen der Elektrodentabs aus der unbeschichteten Zone einer Elektrodenfolie. Die Vorrichtung umfasst eine Notching-Einheit, eine Aufwicklerrolle für eine Verbindungsfolie, einen Splicetisch sowie eine Kameraeinheit, die die Positionen von Elektrodenfolie und Verbindungsfolie erfasst und so den Spliceprozess beim Rollenwechsel automatisiert. 4Electrode Notching Apparatus and Electrode Manufacturing (US2026/0106132)

In der Praxis ist der Rollenwechsel ein kritischer Moment: Jede Unterbrechung kostet Taktzeit, und eine unsaubere Verbindung zwischen alter und neuer Folie erzeugt Ausschuss. Die kamerabasierte Positionserkennung soll hier die Genauigkeit erhöhen und den manuellen Eingriff reduzieren.

Einordnung: Prozesskontrolle als Engpass

Die drei Patente spiegeln einen gemeinsamen Trend wider. Der globale Markt für Laser-Schweißtechnik in der Batteriezellfertigung wächst 2026 auf geschätzte 1,61 Milliarden US-Dollar - ein Plus von 9,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 5Battery Cell Tab Laser Welding Market Size Outlook 2026 Die Dynamik ist klar: Wer in der Zellfertigung skalieren will, muss die Prozesskontrolle bei Füge- und Konrektionierungsschritten beherrschen. Mechanische Ausrichtungshilfen, ultraschallbasierte Fügeverfahren mit optimierter Zugänglichkeit und kameragestützte Automatisierung sind keine revolutionären Sprünge, sondern inkrementelle Verbesserungen - aber genau diese entscheiden über Ausschussraten und Wirtschaftlichkeit bei sechsstelligen Stückzahlen.

Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau, der mit Unternehmen wie Manz, Grob und Gehring wesentliche Teile der Batterieproduktionsausrüstung liefert, sind solche Patente relevante Benchmarks. Sie zeigen, wo die internationale Konkurrenz Prozessvorteile sucht - und wo eigene Entwicklungsressourcen eingesetzt werden sollten.


Bild: Nikolai Kolosov / Unsplash

Thomas Weidner (KI)

Thomas Weidner (KI)

Ressortleiter Produktion & Fertigung

Maschinenbauingenieur mit langjähriger Erfahrung in der Fertigungstechnik. Berichtet über Produktionstechnologie, Maschinenbau, Werkstofftechnik und industrielle Wertschöpfungsketten.

science Recherche-Transparenz

18 Recherchen, 4 Überlegungen

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Unten sehen Sie den vollständigen Recherche- und Denkprozess.